Miniversion Edelkrebs auf Hand

Klassische Zucht von Edelkrebsen in Hessen

Die Zucht von Edelkrebsen (Astacus astacus) spielt eine wichtige Rolle für den Artenschutz und die Wiederansiedlung in heimischen Gewässern.

Um dauerhaft geeignete Besatzkrebse bereitzustellen, hat sich die klassische Haltung in Langstrombecken bewährt. Diese Form der Aquakultur bietet optimale Bedingungen:

  • Schutz vor Fressfeinden
  • geringe Krankheitsrisiken
  • kontrollierbare Umweltbedingungen

Die Zucht gliedert sich in mehrere aufeinander abgestimmte Phasen.

 

1. Gewinnung der Elterntiere

Die Grundlage einer erfolgreichen Edelkrebszucht ist die Auswahl gesunder Elterntiere.

Bereits im Frühjahr des Vorjahres werden geeignete männliche und weibliche Edelkrebse aus verschiedenen heimischen Populationen zusammengestellt.

Nach der Paarung im Spätherbst tragen die Weibchen ihre befruchteten Eier unter dem Hinterleib und ziehen sich in geschützte Bereiche zurück.

Im darauffolgenden Frühjahr werden die Teiche leicht erwärmt und abgelassen, um die eiertragenden Weibchenvorsichtig abzusammeln und in die Aufzuchtanlage zu überführen.

 

2. Aufzucht der eiertragenden Weibchen

Die Aufzuchtanlagen bestehen aus mehreren Becken mit:

  • großer Grundfläche
  • ausreichendem Wasservolumen
  • zusätzlichem Pufferbecken zur Stabilisierung

Wichtige Bedingungen:

  • 🌡️ Temperaturen unter 18 °C (Vermeidung von Verpilzung)
  • 🪵 strukturreiche Einrichtung mit Verstecken
  • 💧 kontinuierlicher Wasserfluss

Die Weibchen werden meist ab Mitte April in die vorbereiteten Becken eingesetzt.

Während der Entwicklungsphase werden sie regelmäßig gefüttert, zum Beispiel mit:

  • frischem Fisch
  • Karotten
  • hochwertigem, eiweißreichem Futter

 

3. Schlupf, Häutung und Aufzucht der Jungkrebse

Im Laufe der ersten Junihälfte schlüpfen die Larven.

Zunächst verbleiben sie unter dem Hinterleib ihrer Mutter, bis sie ihre erste Häutung durchlaufen. Danach werden die Weibchen wieder in den Elterntierteich zurückgesetzt.

Aufzucht der Sömmerlinge

Die jungen Krebse – sogenannte Sömmerlinge – wachsen nun selbstständig auf.

Wichtige Faktoren:

  • ausreichend Versteckmöglichkeiten
  • regelmäßige Fütterung mit feinem Brut-Futter
  • kontinuierliche Kontrolle von Wachstum und Gesundheit

Die Häutungsphase ist besonders sensibel. Deshalb wird z. B. bei Temperaturschwankungen gezielt reagiert, um stabile Bedingungen zu gewährleisten.

 

Wachstum und Entwicklung

Im Laufe des Sommers durchlaufen die Jungkrebse bis zu 13 Häutungen.

Bis zum Herbst erreichen sie eine Größe von:

👉 2 bis 4 cm Körperlänge

Sinkt die Wassertemperatur unter 12 °C, stellt sich das Wachstum weitgehend ein.

 

Aussetzen und Wiederansiedlung

Im Herbst werden die jungen Edelkrebse aus den Becken entnommen und in geeignete Gewässer umgesetzt.

Ziel ist:

  • Wiederansiedlung in hessischen Gewässern
  • Unterstützung gefährdeter Bestände
  • Förderung der Biodiversität

Die gezüchteten Krebse sind dabei nicht nur regional gefragt, sondern werden auch über die Landesgrenzen hinausfür Renaturierungsprojekte eingesetzt.

 

Bedeutung für den Naturschutz

Die klassische Edelkrebszucht leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser heimischen Art.

Durch kontrollierte Aufzuchtbedingungen können:

  • Bestände stabilisiert
  • genetische Vielfalt erhalten
  • natürliche Lebensräume wiederbesiedelt werden

 

Nachhaltige Zucht für eine bedrohte Art

Die Edelkrebszucht in Langstrombecken verbindet Tradition, Fachwissen und Naturschutz.

Sie ermöglicht es, gesunde Tiere für die Wiederansiedlung bereitzustellen und gleichzeitig den Druck auf natürliche Populationen zu reduzieren.

👉 Ein wichtiger Schritt für den Erhalt unserer heimischen Gewässer und ihrer Artenvielfalt.

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