Wie werden eigentlich lebende Fische transportiert?
Neben der Erzeugung von Speisefischen spielt in Hessen und deutschlandweit auch die Produktion von Satzfischen zur Stützung wildlebender Populationen eine wichtige Rolle in der einheimischen Fischzucht. Werden die Fische nicht direkt auf der Fischfarm verarbeitet oder sollen sie als Satzfische in Bäche, Flüsse oder Seen eingesetzt werden, gehen die Tiere lebend auf die Reise. Doch wie funktioniert das eigentlich?
In der Regel werden die Fische in sogenannten offenen Systemen transportiert – also in Behältern, die mit Sauerstoff von einer externen Quelle versorgt werden. In diesem Beitrag erklären wir die wichtigsten Punkte, die beim Transport lebender Fische in offenen Systemen zu beachten sind.
Was ist ein offenes System?
Ein offenes System ist eine Transporteinrichtung, bestehend aus einem oder mehreren Transportbehältern und einer externen Sauerstoffquelle, die das Transportwasser konstant mit Sauerstoff anreichert und die Fische so während des Transports durchgehend versorgt. Die Transportbehälter sind in der Regel rechteckig, etwa einen Meter tief und fassen zwischen 600 und 2.000 Litern Wasser. Der Sauerstoff wird über feinporige Schläuche oder Keramikkörper ins Wasser geleitet, damit sich möglichst viel davon löst.
Wichtige Faktoren für einen erfolgreichen Transport
Sauerstoffversorgung
Fische benötigen während des Transports eine konstante Sauerstoffzufuhr. Der Sauerstoffbedarf hängt von mehreren Faktoren ab:
- Fischart und -größe
- Temperatur des Wassers
- Transportdauer
Zum Beispiel benötigen 100 kg Regenbogenforellen etwa 4 Liter Sauerstoff pro Minute. Die Sauerstoffzufuhr erfolgt meist über einen perforierten Schlauch am Boden des Behälters. Dabei wird nicht nur Sauerstoff eingetragen, sondern auch schädliche Gase wie Kohlendioxid (CO₂) und Ammoniak (NH₃) ausgetrieben.
Wichtig: Es sollte mindestens doppelt so viel Sauerstoff mitgeführt werden, wie der errechnete Bedarf der Fische während des Transports beträgt.
Wassertemperatur
Die Temperatur des Wassers beeinflusst den Sauerstoffbedarf der Fische maßgeblich. In kühlem Wasser löst sich Sauerstoff besser, und die Fische haben einen geringeren Stoffwechsel, was den Sauerstoffverbrauch senkt. Daher sollte das Transportwasser möglichst kühl sein:
- Kaltwasserfische: 8–12 °C im Sommer, 4–10 °C im Winter
- Warmwasserfische: 15–20 °C im Sommer, 5–15 °C im Winter
Ist das Wasser wärmer, sollten die Transportbehälter gut isoliert sein, damit sich das Wasser während des Transports nicht zusätzlich erwärmt. Besonders wichtig ist zudem, dass die Temperaturdifferenz zwischen Transportwasser und Zielgewässer nicht zu groß ausfällt.
Fischbesatzdichte
Wie viele Fische transportiert werden können, hängt von der Sauerstoffversorgung und der Wassertemperatur ab. Als Faustregel gilt:
In 1.000 Litern Wasser können im Sommer 200 kg und im Winter 250 kg Portionsforellen 6–8 Stunden lang transportiert werden. Wichtig ist außerdem, dass die Fische genug Platz haben, um sich nicht gegenseitig zu verletzen.
Praktische Tipps für den Transport
Ausnüchtern der Fische
Vor dem Transport werden die Fische einige Tage aus dem Futter genommen. Dieses Ausnüchtern ist wichtig, um den Darmtrakt zu leeren und so Verunreinigungen des Transportwassers zu vermeiden. Die Dauer hängt von Fischart, Entwicklungsstadium und Transportdauer ab: Salmoniden in einer Größe von 100 bis 1.000 g sollten dabei 3–5 Tage ohne Futter bleiben, um einen Transport von bis zu 10 Stunden gut zu überstehen.
Der Organismus der Fische ist darauf angepasst, 10 Tage und länger ohne Futteraufnahme zu überleben. Durch das Ausnüchtern in Vorbereitung auf den Transport wird der Fisch daher nicht geschädigt.
Beladung und Entladung
Die Fische sollten möglichst stressfrei in die Transportbehälter gesetzt und wieder entladen werden. Fischschleusen oder Rutschen helfen dabei, die Tiere ohne große Erschütterungen ins Wasser am Zielort zu setzen.
Hygiene und Desinfektion
Nach dem Transport müssen die Behälter gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Am besten geschieht dies durch einen Wasserwechsel mit Desinfektionslösung, die nach ausreichender Einwirkzeit abgelassen wird.
Besonderheiten beim Transport verschiedener Fischarten
Einige Fischarten haben spezielle Anforderungen während des Transports:
Zander
- Besonders empfindlich gegen Sauerstoffüberschuss – besser Druckluft als reinen Sauerstoff verwenden
- Wassertemperatur: optimal 10–12 °C
- Transport in hohen Behältern, damit die Fische Abstand zueinander halten können
Hechte
- Transporttemperatur: 8–12 °C
- Empfindlich gegenüber Sauerstoffmangel, daher durchgehende Sauerstoffzufuhr nötig
Aale
- Benötigen eine hohe Wasserqualität
- Empfindlich gegenüber Stress – Abdunkelung des Transportbehälters empfohlen
- Transportdichte: 75 kg Glasaale oder 400 kg Speiseaale pro 1.000 Liter Wasser
Fazit
Der Transport lebender Fische in offenen Systemen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die eine sorgfältige Planung erfordert. Entscheidend sind eine konstante Sauerstoffzufuhr, die richtige Wassertemperatur und eine angemessene Fischdichte. Auch das Ausnüchtern der Fische vor dem Transport und eine stressfreie Handhabung beim Verladen und Entladen tragen maßgeblich zum Wohlbefinden der Tiere bei. Je nach Fischart sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um ihre spezifischen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Wer all diese Faktoren im Blick behält, stellt sicher, dass die Fische gesund und in optimaler Verfassung am Zielort ankommen.